Tag 6: Ein "Schweizer" in Lappland


Bin heute morgen mit etwas Verspätung gegen 09:30 Uhr an’s Frühstücksbuffet gehechtet. Da Frühstück (offiziell) nur bis 10:00 Uhr serviert wird, musste ich meine Abfüll- und Beladeaktion meines Tellers dieses Mal etwas abkürzen. Die Schweizer Gruppe sass am Tisch gegenüber und tauschte sich über die erste nächtliche “Erfahrung” in eine der hotelnahen Blockhütten aus. Mein Gang zielte währenddessen auf den Teller mit frischem Lachs und Salat aus Lahti.
An der Rezeption begegnet mir wieder die herzliche Art der Finnen, als ich die Dame an der Rezeption nach einer Auskunft zur benachbarten Amethysten-Mine sowie dem Husky- und Rentierpark frage. Mit reichlich Informationen zugedeckt mache ich mich auf den Weg, um nochmals die Gegend um Luosto zu erkunden, wenn auch unter abermals grauem Himmel.
Die Fahrt geht vorbei an den zahlreichen Blockhütten, die vor allem im Winter, wenn die Gegend mit reichlich Schnee versorgt ist, skifreudigen Touristen einen komfortablen Unterschlupf bietet. Meine Fahrt stoppt an einer Art Arena/Bühne mitten zwischen Bäumen, direkt an einem Hang gelegen. Wie sich später herausstellte, war dies der Austragungsort verschiedener Konzerte, unter anderem der alljährlichen klassischen Konzerte (Luosto Classic). Die Wege bestehen dabei aus einzelnen Holzpfaden und -treppen, die als Vorlage dem Kult-Computergame “Myst/Riven” gedient zu haben scheinen (im Original). Weiter geht’s auf einem der zahlreichen Trekking- und Wanderpfade durch die zum Teil aus Moorgebieten bestehende Natur, die nur mittels Entenpfaden (eine Art 50 cm schmaler Pfad aus aneinandergereihten Holzbrettern) durchwandert werden kann. Obwohl diese Bretter durchaus massiv sind und das mulmige Gefühl von Sicherheit aufkommen lassen, nicht in dem feuchten Etwas unterzugehen, sind einige bereits alles andere als morsch. Und so watet man mit ca. 10 kg Fotoausrüstung über wacklige und rutschige Pfade an’s ungewisse, hoffentliche Ende des Moors.
Mit rund zwei Wochen Verspätung auf die Ruska-Zeit verharrt die Natur in ihrem tiefen Grün. Einzig an einigen Stellen haben Bäume und Pflanzen bereits ihr erstes rotes, orangenes und gelbes Kleid angelegt. Mit grossen Augen stapft ein älteres finnisches Ehepaar mit ihrem grossem, weissen Hund an mir vorbei, als ich mich, fast auf dem Bauch durch den Wald robbend, an mein Objekt der Begierde nähere (siehe Bilder oben). Wie bereits die letzten Tage, als ich die wahnsinnig monströsen Wolkengebilde rund um den Inarisee oder im schwedischen Kalix während meiner Fahrt im Auto entdeckte und hektisch die nächste Haltemöglichkeit suchte und abrupt bremste. Genauso muss es meinem weiblichen Fahrgast von vergangenen Montag ergangen sein, als ich mehrere heftige Bremsmanöver durchführte (ich beruhigte sie, mein Mietwagen hätte ja gute Bremsen).
Morgen bricht mein letzter Tag vor der Abreise an. Samstag früh werde ich bereits wieder im Flieger zurück nach Helsinki und schliesslich back to Zürich sitzen. Spiele jetzt schon mit dem Gedanken, anfangs Oktober für ein verlängertes Weekend wieder hierher zu kommen (und dieses Mal sicherlich zeitlich genau zum Indian Summer).

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