Travel log book Stockholm

December 2004/January 2005

Dezember 19, 2004

Vier Buchstaben, 40 Kilo und Schoggi

Aufgrund der aktuellen und tragischen Ereignisse in Asien erfolgen meine Berichte der letzten Tage erst morgen, Donnerstag abend. Vorerst der 19. Dezember 2004...

Sonntag den 19. Dezember begann meine Abreise in den wilden Süden Deutschlands.
In der Nacht fiel der von den Skiregionen so langersehnte Schnee. Die Zugstrecke Brienz–Interlaken war am Morgen aufgrund eines steckengebliebenen Zuges gesperrt. Meine Siebensachen waren gepackt und verbrachten die meiste Zeit auf der Waage. Mein Reisegepäck wog nun alles in allem an die 40 Kilo (ich begann im Kopf die Kosten für das Übergepäck auszurechnen: 1% vom Flugpreis pro kg...). Meine Reisetasche bestand zu 90% aus meiner Fotoausrüstung und den restlichen 10% aus Klamotten, die zur Polsterung der Ausrüstung diente.

Etwas später entnahm ich auf der Website der SBB, dass der Zugbetrieb zwischen Brienz (noch'n Link, auch sehr speziell: Brienzersee.ch) und Interlaken wieder aufgenommen wurde. Die Fahrt konnte also wie geplant stattfinden. Es begann zu regnen. Ich dackelte zum Bahnhof und beobachtete die seltsamen Gestalten, die an diesem ungemütlichen Sonntag mittag im Schneematsch um den Bahnhof herum(schw)irrten. Der Zug hatte natürlich an diesem Tag rund 5 Minuten Verspätung (ich grübelte, ob in Interlaken-Ost noch ausreichend Zeit für den Anschluss nach ZH-Flughafen hatte). Rund eine Viertelstunde später war ich bereits auf dem Weg zum Flughafen. Soweit so gut! Noch etwas schlaftrunken wollte mich eine junge Frau von der anderen Fensterseite in ein Gespräch verwickeln (ich dachte nur: «Hilfe, wieso kann ich nicht irgendwann und irgendwo einmal ein paar Minuten für mich sein?!»). Ich warf ihr ein paar unverständliche Worte zurück, etwas was nicht einmal ich verstand (aber wenigstens in der Hoffnung, das Gespräch abrupt, wenn auch sehr unhöflich, zu beenden...). Sie verstand und ich verabschiedete mich von ihr, als sie eine Zugstation später auch schon wieder aussteigen musste.
Einige Minuten später hielt ich dem SBB-Schaffner meine online bestellte und ausgedruckte Fahrkarte hin. Zugegenermassen sah das «Ding» schon ziemlich einfach, selbstgebastelt und unglaubwürdig aus. Aber er nahm das Blatt A4-Papier mit dem Code entgegen, prüfte es misstrauisch und warf mir ein knappes «Merci» zurück.

Ca. zweieinhalb Stunden später sah ich mich auch schon am Bahnsteig des Flughafens aussteigen. Ich folgte der Meute von reiselustigen Menschen, die sich an diesem Sonntag durch die zahlreichen, fast endlosen Gänge quälten. Am Check-In 1 verabschiedete ich mich von meinem «leichten» Reisegepäck und der Stativtasche. Lediglich mein Schlepptopp und die Stofftasche, die verdächtig nach Käse roch, sollten mich in den Flieger begleiten. Nach der «Ziehen-Sie-bitte-mal-die-Schuhe-aus»-Aktion bei der Personenkontrolle machte ich mich auf den Weg zum Gate A08. Ein Blick auf die Monitore mit den Flugverbindungen liess nichts gutes erahnen. Alle Flüge waren als «Verspätet/Delayed» gekennzeichnet. Und so verging Stunde um Stunde und der Abflug meiner Maschine verschob sich immer mehr. Das «Sich-den-Wolf-Sitzen» kannte ich ja bereits von meinem Flug nach Helsinki/Rovaniemi im August, aber an diesem Tag wurde die Geduld und Ausdauerfähigkeit meiner vier Buchstaben auf eine harte Probe gestellt. Ich unterhielt mich mit einer jungen Hannoveranerin, die ebenfalls seit längerem in einer der zahlreichen Sitzreihen der Wartehalle ausharrte. Ich zählte zwischenzeitlich gelangweilt die Anzahl Kaugummis, die sich unter dem Sitz angesammelt hatten (Mahlzeit...). Nach rund 5 Stunden hiess es dann endlich Boarding! Die Maschine, eine «alte» Crossair-Maschine (Typ Embraer) bot für Leute über 1,80 Meter nicht genug Platz über der Birne, um aufrecht zu stehen. Wenig später hob Flug Nummer LX 1174 ab und liess das Lichtermeer von Zürich-Kloten unter sich.
Ich musste schmunzeln, als die Flugbegleiterinnen den Passagieren die obligatorische SWISS-Schoggi herumreichte und sich im Anschluss das fast schon synchrone Auspacken durch lautes Geraschel hörbar wurde.

Irgendwann im wilden Süden Deutschlands, in Stuttgart angekommen, begab ich mich am Flughafen durch den Zoll in Richtung Ausgang. Das einzige, was mich jetzt noch von der Freiheit trennte, war ein nerviger, übereifriger Zollbeamte, der mich nach allen möglichen zollpflichtigen Waren ausfragte und mit sonstigen unnötigen Fragen durchlöcherte. Einen kurzen Augenblick später konnte ich dem kleinen grünnen Männchen entkommen und steuerte auf den Ausgang zu.